09 Oktober 2026

Hl. John Henry Kardinal Newman

Gedenktag katholisch: 9. Oktober (Tag der Bekehrung)

Namensdeutung: Gott ist gnädig (hebr.) - der Hausherr (althochdt.)

Der englische Kardinal John Henry Newman ist einer der bedeutendsten Kirchenlehrer der Neuzeit. Newman, der im 19. Jahrhundert lebte und wirkte, war zunächst ein Priester der anglikanischen Church of England. 1845 nahm er den katholischen Glauben an und wurde nach weiteren theologischen Studien 1847 in Rom zum katholischen Priester geweiht. Aufgrund seiner Konversion schlugen ihm Misstrauen und Anfeindungen von katholischer und anglikanischer Seite entgegen. Die einen hielten ihn für einen subversiven Protestanten; für die anderen war er ein Abtrünniger. Dennoch machte sich Newman mit seinen theologischen Reden und Schriften bald einen Namen – sowohl in Rom als auch in England.

Der Hl. John Henry Kardinal Newman wurde am 21. Februar 1801 in London geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Bankier, beide Elternteile waren Mitglieder der Church of England, der etablierten Nationalkirche in England.

Mit 15 musste er krank den Sommer in seinem Elite-Internat im Londoner Stadtteil Ealing verbringen, da er aus wirtschaftlichen Gründen nicht nach Hause gehen konnte. Die Bank seines Vaters war infolge der wirtschaftlichen Auswirkungen am Ende der napoleonischen Kriege zahlungsunfähig geworden. Sein evangelikaler Lehrer gab ihm theologische Bücher zu lesen, wodurch er zu einem frommen Anglikanismus bekehrt wurde.
„Als ich fünfzehn Jahre alt war, ging in meinem Denken eine große Änderung vor sich. Ich kam unter den Einfluss eines bestimmten Glaubensbekenntnisses und mein Geist nahm dogmatische Eindrücke in sich auf, die durch Gottes Güte nie mehr ausgelöscht und getrübt wurden.“
1817 nahm er das Theologiestudium in Oxford auf.

Ab 1822 war er Professor an der Universität Oxford.

Am 13. Juni 1824 wurde er in der Oxforder Christ Church Cathedral zum Diakon der anglikanischen Kirche, 1825 zum anglikanischen Priester geweiht. 1828 wurde er Pfarrer an der Universitätskirche von St. Mary’s in Oxford und 1831 Universitätsprediger. 1832 begab er sich auf eine Italienreise und sagte während dieser:
"Ich habe ein Werk in England zu vollbringen."
Newman wurde nach seiner Rückkehr aus Italien 1833 Teil der sogenannten Oxfordbewegung, zu deren führendem Kopf er aufstieg. Sein Ziel war es, die anglikanische Kirche auf die Basis der „Alten Kirche“ zu stellen, entgegen den evangelikalen Strömungen, die subjektiven Glauben und Bibelfrömmigkeit in den Mittelpunkt stellten. Diese Oxfordbewegung begründete den sogenannten Anglokatholizismus innerhalb der Church of England. Sie grenzte sich jedoch deutlich von der katholischen Kirche ab. Diese sei im Lauf der Zeit von der „Alten Kirche“ durch hinzugekommene Lehren abgewichen. Der Anglokatholizismus schlug einen Mittelweg zwischen Protestantismus und katholischer Kirche ein, und zwar auf der Grundlage von Dogma, Sakrament und dem strikten Gegensatz zur katholischen Kirche.

1839 wurden seine Gedanken vom Anglikanismus als Mittelweg erschüttert. Durch das Studium der Kirchenväter, d.h. der Theologen und Schriftsteller, auf deren heiligmäßiges Leben und deren rechtgläubige Lehren die Kirche sich seit dem 4. Jahrhundert als Zeugen des Glaubens beruft, entdeckte Newman den Reichtum der katholischen Glaubensfülle. Newman war zu der Überzeugung gekommen, dass sich die mit dem Papst in Gemeinschaft stehende Kirche katholisch nennen darf, weil sie mit der Kirche der Apostel und der Kirchenväter identisch ist und wurde durch das folgende Augustinus-Zitat zur Konversion bewegt:
"Sonach urteilt ruhevoll der Erdkreis, gut könnten die nicht sein, die sich, in irgendeinem Winkel des Erdkreises, vom Erdkreis abtrennen."
Der Hl. John Henry Kardinal Newman:
„Denn ein bloßer Ausspruch, die Worte des hl. Augustinus, trafen mich mit einer Wucht, wie ich sie nie zuvor empfunden hatte. Sie … glichen dem ‘Tolle, lege’ … des Kindes, das den hl. Augustinus bekehrte. ‘Securus judicat orbis terrarum.’ Diese großen Worte des alten Kirchenvaters lösten die Theorie der Via media vollständig in Staub auf“
1843 verzichtete er auf sein Pfarramt und zog sich in das Dorf Littlemore bei Oxford zurück.

Am 09. Oktober 1845 wurde er in Littlemore von dem (1963 seliggesprochenen) italienischen Passionistenpater Domenico Barberi in die katholische Kirche aufgenommen.

Ein Aufschrei der Empörung ging durch die anglikanische Kirche, dass eine so exponierte Persönlichkeit der Church of England zur katholischen Kirche konvertierte. Auch von katholischer Seite schlug ihm anfangs keinesfalls nur Wohlwollen entgegen. Mons. George Talbot, Päpstlicher Geheimkämmerer von Pius IX. an Kardinal Henry Edward Manning:
"Newman ist der gefährlichste Mann Englands."
1847 erhielt er nach dem Studium in Rom die Priesterweihe und entdeckte das Oratorium des hl. Philipp Neri. In dieser Gemeinschaft von Weltpriestern ohne Ordensgelübde sah er die ideale Lebensform für das Wirken der Gruppe von englischen Universitätsabsolventen, die mit ihm konvertiert waren. Seine Kongenialität mit dem hl. Philipp Neri ließ Newman zum Begründer des Oratoriums in England werden, wobei er die Regel des römischen Instituts aus dem 16. Jahrhundert behutsam modifizierte im Hinblick auf die englische Wirklichkeit des 19. Jahrhunderts. Newmans Oratorium wurde 1848 in Birmingham kanonisch errichtet, wenig später kam es auch zur Gründung eines Hauses in London.

Im Jahr 1850 wurde die katholische Hierarchie in England wiederhergestellt. In dieser Zeit gelang es Newman in zahlreichen berühmt gewordenen Reden, die Position der Katholiken in England zu stärken.

Er folgte 1851 dem Ruf der irischen Bischöfe - allen voran Erzbischof Paul Cullen - den Aufbau der Catholic University of Ireland in Dublin, aus der später das heutige University College Dublin (UCD) hervorging, zu leiten. Seine Amtszeit dauerte offiziell von 1851 - 1858.

1864 Veröffentlichung Newmans wohl berühmtesten Werks „Apologia pro vita sua: Geschichte meiner religiösen Überzeugungen“, in dem er seinen Weg zum Katholizismus schildert. Es war Newmans Antwort auf die Angriffe des anglikanischen Geistlichen Charles Kingsley.
„Von der Zeit an, dass ich katholisch wurde, habe ich natürlich keine Geschichte meiner religiösen Anschauungen mehr zu schreiben. Damit will ich nicht sagen, dass mein Geist müßig gewesen sei, oder dass ich aufgehört hätte, über theologische Fragen nachzudenken; sondern dass ich keine Änderungen mehr durchzumachen hatte und keinerlei Besorgnis mehr im Herzen trug. Ich habe in vollkommenem Frieden und ungestörter innerer Ruhe gelebt, ohne je von einem einzigen Zweifel heimgesucht zu werden. … es schien mir, als hätte ich nach stürmischer Fahrt den sicheren Hafen erreicht; und das Glück, das ich darüber empfand, hat bis heute ununterbrochen angehalten“
Durch die Apologia, einen Klassiker der religiösen Literatur, gewann Newman allgemeine Anerkennung sowohl in der katholischen als auch in der anglikanischen Öffentlichkeit.

1865 Dichtung „Der Traum des Gerontius“

1877 „Honorary Fellow“ (Anerkennung von anglikanischer Seite) seiner alten Oxforder Universität

Erhebung zum Kardinal am 12. Mai 1879 durch Leo XIII. In der sog. „Bigliettorede“, die Newman in Rom zu diesem Anlass hielt, fasste er sein Lebenswerk zusammen:
Von Anfang an habe ich gegen ein großes Zeitübel gekämpft: Über 30, 40, 50 Jahre lang hin habe ich mich unter vollem Einsatz meiner Kräfte dem Geist des Liberalismus in der Religion widersetzt. . . . Liberalismus in der Religion ist die Lehre, dass es in der Religion keine positive Wahrheit gibt, sondern dass ein Bekenntnis so gut ist wie das andere, und dies ist die Lehre, die Tag für Tag an Einfluss und Macht gewinnt. Sie ist unvereinbar mit irgendeiner Anerkennung irgendeiner Religion als wahr. Sie lehrt, alles müsste toleriert werden, denn alles sei schließlich eine Sache der persönlichen Ansicht. Geoffenbarte Religion ist keine Wahrheit, sondern eine Sache des Gefühls und des Geschmacks, sie ist kein objektives Faktum, gehört in den Bereich des Wunderbaren. Jeder hat darüber hinaus das Recht, ihr die Aussagen zuzu-schreiben, die ihm gerade an ihr auffallen
Sein Wahlspruch war: "Cor ad cor loquitur." („Das Herz spricht zum Herzen“)

Er starb am 11. August 1890 im Kreise der Oratorianer in Edgbaston, Birmingham. Für seinen Grabstein wählte Newman den Spruch: "Ex umbris et imaginibus in veritatem." ("Aus Schatten und Bildern zur Wahrheit.")

Am 19. September 2010 wurde er von Papst Benedikt XVI. in Birmingham seliggesprochen.

Anfang 2019 erkannte Papst Franziskus ein Wunder, das auf die Fürsprache Newmans zurückzuführen ist, an. Die Voraussetzung für die Heiligsprechung Newmans war damit erfüllt. Papst Franziskus sprach John Henry Kardinal Newman am 13. Oktober 2019 in Rom heilig.

Am 01. November 2025 erhob Papst Leo XIV. den Hl. John Henry Newman bei einer feierlichen Zeremonie in Rom zum 38. Kirchenlehrer der katholischen Kirche.

Benedikt XVI. sagte über John Henry Kardinal Newman:
Ein großer Kirchenlehrer, weil er "zugleich unser Herz berührt und unser Denken erleuchtet".

Er ist Patron der Päpstlichen Universität Urbania.
 



Werke des Hl. John Henry Kardinal Newman findest du hier.

Gebet des Hl. John Henry Kardinal Newman:



Noch als anglikanischer Priester war John Henry Newman schwer erkrankt. Die Erfahrung, von Gott aus dieser Krankheit gerettet worden zu sein, hat er in die Verse eines Gedichts gegossen: „Lead, Kindly Light.“ Noch heute ist es eines der beliebtesten Lieder Englands:




Quellen: Bistum Regensburg, Vatican News, Ökumenisches Heiligenlexikon, Bistum Augsburg, Internationale Deutsche Newman Gesellschaft e. V., Erzdiözese Wien.

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